Mit Oracle Database 26ai hat Oracle die nächste Generation seiner Datenbankplattform an den Start gebracht, die seit Januar nun auch On-Premises für ausgewählte Plattformen verfügbar ist. Dabei liegt der Fokus der 26ai klar auf Automatisierung, KI-gestützten Funktionen sowie einer weiteren Konsolidierung von Betriebsmodellen.
Doch jenseits des „ai“-Labels stellt sich für IT-Verantwortliche und Datenbankadministratoren eine deutlich praxisnähere Frage: Welche technischen Änderungen wirken sich tatsächlich auf Architektur, Betrieb und Sicherheitskonzepte aus – und welche davon sind im konkreten Alltag wirklich relevant? Zudem ist entscheidend, in welchen Editionen diese Funktionen überhaupt zur Verfügung stehen und somit strategisch eingeplant werden können.
Dieser Beitrag beleuchtet die wichtigsten Neuerungen von Oracle 26ai aus operativer Sicht und ordnet sie zugleich in den praktischen Betriebsalltag ein. Im Fokus stehen dabei Funktionen wie Vector Search, JSON Duality und die Multitenant-Architektur, ebenso wie sicherheitsrelevante Aspekte rund um Verschlüsselung sowie die kryptografische Zukunftsfähigkeit.
Ziel ist dabei eine realistische Einordnung: Wo entsteht tatsächlich ein Mehrwert für den Betrieb, und unter welchen Voraussetzungen lässt sich dieser effizient nutzen? Und an welchen Stellen steigt hingegen die Komplexität für DBAs, etwa durch zusätzliche Anforderungen an Architektur, Administration oder Sicherheitskonzepte?
Mit dem Suffix ai signalisiert Oracle, dass KI‑Funktionen nicht mehr nur Add‑ons sind, sondern tief in die Datenbank integriert werden. Wichtig dabei: Oracle Database 26ai bleibt eine klassische relationale Oracle Database, erweitert um native KI‑ und Automatisierungsfunktionen.
Für den Betrieb bedeutet das:
Mit 26ai integriert Oracle Vektor-Datentypen und semantische Suchmechanismen nativ in die Datenbank. Damit können Embeddings (beispielsweise aus Large Language Models) direkt in Tabellen gespeichert und über spezialisierte Indexstrukturen performant durchsucht werden.
Typische Einsatzszenarien sind beispielsweise:
Praxisrelevanz:
Für Datenbankadministratoren gehen damit neue Herausforderungen einher: neue Datentypen und Indexarten müssen verstanden und sauber dimensioniert werden. Darüber hinaus ändert sich der Speicherbedarf und I/O‑Profile deutlich. Backup-/Recovery-Strategien müssen große Embedding-Strukturen berücksichtigen und Performance-Tests sind zwingend erforderlich, da Vektorindizes andere Lastmuster erzeugen als klassische B‑Tree-Indizes. Für klassische OLTP-Systeme ohne KI-Anwendungsfälle ist die Relevanz gering. In datengetriebenen Projekten kann Vector Search jedoch strategisch entscheidend sein.
Hinweis zur Edition:
Grundsätzlich kann das Feature auch bereits in der Standard Edition genutzt werden. Dort ist hingegen die native Erzeugung von Embeddings in der Datenbank eingeschränkt oder nicht verfügbar – das heißt, du musst die Vektoren extern erzeugen (wie etwa mit Python, AI-Frameworks wie LangChain, OpenAI-APIs oder anderen Tools) und dann erst in die Datenbank importieren. In der Enterprise Edition kann Oracle diese Embeddings nativ in der Datenbank erzeugen, indem du Modelle im ONNX-Format importierst und direkt über SQL/PL-SQL Funktionen nutzt. So läuft der „Embedding-Workflow“ komplett innerhalb der Datenbank ab.
Oracle entwickelt das Konzept der JSON-Relational Duality weiter (häufig als „JSON Duality“ bezeichnet). Dabei können Daten gleichzeitig relational und als JSON-Dokument modelliert und konsistent gehalten werden.
Das bedeutet:
Praxisrelevanz:
Für Datenbankadministratoren könnte das weniger Druck bedeuten, zusätzliche NoSQL-Systeme einzuführen. Außerdem bleibt die Datenintegrität durch relationale Constraints gesichert. Dafür kommen neue Anforderungen an Index-Strategien und Zugriffsmuster hinzu und die Datenmodellierung wird hybrider und damit anspruchsvoller. Für Organisationen mit Microservices-Architekturen oder API-zentrierten Anwendungen ist dies hoch relevant.
Hinweis zur Edition:
Grundlegende JSON-Funktionalität ist auch in der Standard Edition verfügbar. Erweiterte Performance-Features und spezielle Optimierungen sind typischerweise an die Enterprise Edition gebunden.
Die Multitenant‑Architektur bleibt das zentrale Betriebsmodell.
Oracle 26ai bringt hier unter anderem:
Praxisrelevanz:
Gerade für Konsolidierungsprojekte entsteht mehr Planbarkeit. Für DBAs bedeutet das allerdings auch: Ressourcenmanagement (Resource Manager), Monitoring pro PDB und Kapazitätsplanung werden noch relevanter. Wichtig zu wissen: Single-Tenant-Setups sind strategisch kein Zielpfad mehr, denn „Non-CDB“ ist de facto tot.
Hinweis zur Edition:
Multitenant ist grundsätzlich auch in der Standard Edition nutzbar, allerdings mit funktionalen Einschränkungen. Erweiterte Ressourcensteuerung und größere PDB-Skalierung sind klar auf die Enterprise Edition ausgerichtet.
True Cache erweitert das Caching-Modell der Datenbank, indem häufig genutzte Daten intelligent und konsistent näher an der Verarbeitung gehalten werden – auch in verteilten oder hybriden Architekturen.
Ziele, die damit verfolgt werden, sind:
Praxisrelevanz:
Mit True Cache gewinnt Architekturplanung hinsichtlich Platzierung, Synchronisation und Failover-Strategien an Bedeutung. Das Monitoring muss Cache-Hit-Rates und Konsistenzmetriken einbeziehen und die Fehleranalyse wird komplexer, da Performanceprobleme nicht mehr nur auf Datenbankebene entstehen. True Cache ist insbesondere für verteilte Unternehmensarchitekturen relevant – weniger für kleine Einzelinstanzen.
Hinweis zur Edition:
Typischerweise Enterprise Edition, da es sich um eine skalierungs- und architekturbezogene Erweiterung handelt.
Ausgewählte Features der Oracle Database 26ai – wie etwa True Cache – werden wir uns in Kürze noch genauer anschauen und weiterführende Beiträge dazu veröffentlichen.
Sicherheit bleibt ein zentrales Thema – insbesondere im On-Prem-Betrieb. Die folgende Tabelle zeigt die Möglichkeiten in der Oracle Database 26ai, erklärt die Relevanz und nennt die Edition.
|
Sicherheit durch
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Inhalt
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Relevanz
|
Edition
|
|---|---|---|---|
|
Verschlüsselung ruhender Daten (Data at Rest)
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Transparent Data Encryption (TDE) bleibt der Standardmechanismus Tablespaces, Datenfiles, Redologs und Backups können verschlüsselt werden Integration mit Hardware Security Modules (HSM) und zentralem Key Management bleibt möglich
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Für produktive Systeme faktisch Best Practice In vielen regulatorischen Umfeldern verpflichtend
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TDE ist klassisch ein Enterprise Edition Feature
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Verschlüsselung bei Übertragung (Data in Transit)
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Native Unterstützung moderner TLS-Versionen Verbesserte Standardkonfigurationen für sichere Listener- und Client-Kommunikation Vereinfachte Zertifikatsverwaltung
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Für hybride Architekturen, Replikation, Data Guard und Anwendungszugriffe essenziell DBAs sollten Default-Konfigurationen prüfen und explizit härten
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Grundlegende Netzwerkverschlüsselung ist auch in der Standard Edition verfügbar
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Vorbereitung auf quantenresistente Kryptografie
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Oracle adressiert zunehmend das Thema Post-Quantum Cryptography (PQC):
Unterstützung bzw. Vorbereitung für quantenresistente Algorithmen in kryptografischen Bibliotheke Hybrid-Ansätze (klassische + PQ-Algorithmen) in TLS-Kontexten |
Kurzfristig gering, strategisch hoch relevant Besonders wichtig für Organisationen mit langen Datenaufbewahrungsfristen (z. B. Finanz- oder Gesundheitswesen) Schlüsselmanagement und Zertifikatsstrategien müssen langfristig geplant werden
|
Primär im Enterprise-Umfeld relevant, da PQC vor allem in sicherheitskritischen Umgebungen implementiert wird
|
Aus unserer Sicht ergeben sich für Datenbankadministratoren drei zentrale Trends aus den Neuerungen:
In kleineren Umgebungen mit Standard Edition bleibt der Mehrwert aktuell eher selektiv. Für Enterprise-Umgebungen mit Konsolidierungs‑, KI- oder Data-Platform-Strategie ist 26ai jedoch ein klar strategisches Release.
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